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Christian Ruzicska

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Saturnin | Jakub Małecki
Friederike Hartwig
Die Spannung bei der Lektüre entstand für mich durch die verschiedenen Erzählpositionen im Buch: Während der titelgebende Saturnin durchgängig aus einer Ich-Perspektive erzählt, wechselt diese beim Großvater und schafft so gekonnt effektvolle Variation beim Lesen. Die Mutter kommt nur in einem der sieben Teile des Buches zu einer eigenen Form, die ihre Wirkung umso eindrücklicher entfaltet. Der Roman spielt 2014 und beginnt in Teil 1 mit dem allein in Warschau lebenden Saturnin Markiewicz. Aus der Perspektive des 30-Jährigen erfahren wir vom plötzlichen Verschwinden des Großvaters Tadeusz aus dem Haus des Dorfes, in dem die Familie schon immer gelebt hatte. Mit seiner Mutter macht er sich auf die Suche nach dem Alten, nachdem sie einen Hinweis erhalten haben. Teil 2 besteht aus Intimität schaffenden Briefen der damals jugendlichen Mutter an eine Freundin, aus denen wir von der Geburt des kleinen Saturnin erfahren, der von Allen Satek genannt wird. Im 3. Teil erinnert dieser sich episodenhaft an seine Jugend, in der er auf die kleine Hofgemeinschaft mit seiner alltagsbeschäftigen Mutter und dem fast stummen Großvater zurückgeworfen war, die aber mehr neben- als miteinander lebt. Hier sucht er im Ringen um Selbstwirksamkeit und Anerkennung seine Flucht im gefährlichen Leistungssport. Endlich finden Mutter und Sohn den Großvater Tadeusz mitten in der ländlichen Einöde, von dem Satek im 4. Teil auf dem Rückweg im Auto nun zum ersten Mal endlich erzählt bekommt, wie er zum Krieg eingezogen wurde und dass er eine weitere Schwester hatte. Auch hier bleibt die Mutter außen vor, da sie das zweite Auto fährt. Erst wieder zu Hause muss der Sohn ihr die Worte des Vaters wiederholen. Die Leerstelle von Sateks eigenen Vaters kommt im 5. Teil zum Tragen, was wie eine Atempause wirkt, bevor die Erzählung über Tadeusz’ Zeit bis zum Kriegsende und zur Rückkehr seiner Familie bis zu der Zeit folgt, in der sein Enkelsohn geboren werden wird. Im 7. und letzten Teil bricht Satek wieder auf “in seine Welt”, eine Warschauer Einzimmerwohnung, die nicht sehr verlockend daherkommt. Aber zuvor bricht sich etwas in ihm Bahn, er fordert Wissen und damit Hoheit über sein eigenes Leben ein, das er nun vielleicht überhaupt erst anders leben kann als zuvor, als so viel Ungesagtes die Familie beschwerte. Das Buch endet mit einem Aufbruch des übergewichtigen Enkels und schafft zusammen mit dem Nachwort des Autors, der seine eigene Familiengeschichte zum Ausgangspunkt für den Roman nahm, kraftvolle Ermutigung, sich für Familiengeschichte zu interessieren. Damit sensibilisert Małeckis Roman für transgenerationale Traumata. Vielleicht erinnert sich jemand aus der Kundschaft noch an unsere Lesung mit Matthias Lohre zum Erbe der Kriegsenkel? Hier sind sie wieder, die unsichtbaren Mechanismen von Angst, Schuld und Verdrängung, die unbewusst an die nächste(n) Generatione(n) weitergegeben werden. Stellen müssen sich ihnen dann die Nachgeborenen. Im aktuellen Kontext des Einmarsches der russischen Armee in die Ukraine beschwört das Buch zudem die langwierigen Schrecknisse von Krieg, Vertreibung und der lang dauernden Bewältigung auch nach Ende eines hoffentlich schnell kommenden Friedens.